Gott belohnt Vertrauen

„And I will always love you…“ – ich werde dich immer lieben – hörten wir es aus den Lautsprechern des Transporters, den zwei Handwerker beluden und der einige Meter von uns entfernt stand. Es war am Dienstag, 28. Mai, als wir uns am Morgen ein letztes Mal auf den Weg ans Jugendhaus nach Keresztur machten, um uns von den Mitarbeitern, mit denen wir in den letzten dreieinhalb Wochen zusammengearbeitet und zusammengelebt haben, zu verabschieden. Begleitet wurde die teils emotionale Verabschiedungsrunde nun eben unbeabsichtigt vom noch emotionaleren (und vielleicht ein wenig kitschigen ?) Whitney Houston-Hit. Und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass das Lied doch zur Situation passte. Denn das war es, was wir in diesem Moment über die Menschen, von denen wir uns verabschiedeten und über die Arbeit, die wir in den vergangenen Wochen kennen lernen durften, dachten: Wir werden nicht so schnell vergessen, was wir hier erleben durften.

„An Verabschiedungen erkennst du, wie viel du einem Menschen bedeutest“ waren die passenden Worte, die David im Nachhinein dazu gefunden hatte. Und wir konnten wirklich sagen, dass uns die Menschen, die wir kennen gelernt haben, sehr ans Herz gewachsen sind. Und wir hatten den starken Eindruck, dass es auch umgekehrt der Fall war. Denn: Wir konnten uns erst auf dem Heimweg machen, nachdem wir unser verstecktes Gepäck in einer Schnitzeljagd wieder gefunden und am Abreisetag unser mit Klarsichtfolie eingewickeltes Auto befreit hatten. ?

Dass in diesen drei Wochen eine so tiefe Verbindung zu den Menschen in Keresztur und Umgebung entstanden ist, empfinde ich als großes Wunder – vielleicht sogar als das größte Wunder unserer Rumänienzeit. Warum? Die Frage, die uns in der Vorbereitung und auch in der Anfangszeit in Rumänien am stärksten begleitet hat, war: Wie können wir Jesu Liebe weitergeben, wie können wir Beziehungen zu den Menschen in Rumänien aufbauen, wenn wir (fast) kein Wort ungarisch sprechen – und die Menschen vor Ort kein Deutsch können? Auf diese Frage hatten wir keine Antwort. Und so blieb uns nichts anderes übrig, als Gott ganz zu überlassen, wie er uns gebrauchen und was er mit uns in Rumänien anfangen wird. Wir zogen im Vertrauen darauf los, dass seine Fähigkeiten größer sind als sprachliche Barrieren. Und nach dem ersten gemeinsamen (und recht schweigsamen) Essen im Jugendkreis, direkt am Ankunftstag, war uns klar, dass es hier Gottes Eingreifen braucht. Und das haben wir nun tatsächlich erlebt.

Es gab in unserer letzten Woche zwei konkrete Erlebnisse, in denen diese Erfahrung von Gottes Wirken ganz klar sichtbar wurden:

Zum einen durften wir noch einmal zwei Tage Kinderbibeltage in Fiatfalva mitgestalten. Dieses Mal waren die etwas älteren Kinder an der Reihe. Unsere Befürchtungen, vielleicht zu lebhafte Kinder vor uns zu haben, wurden überhaupt nicht bestätigt. Und auch hier durften wir wieder erleben, wie Gott ohne Sprache Verbindungen geschaffen hat.

Zum zweiten möchte ich noch kurz das absolute Highlight der letzten Rumänienwoche schildern: Da uns die Männer aus Csekefalva beim gemeinsamen Arbeiten und durch die Jugendabende sehr wichtig geworden sind, haben wir uns dazu entschieden, sie am letzten Sonntag zum Abendessen einzuladen. Das war sehr spannend, weil wir wussten, dass nur einer der jungen Männer so viel Deutsch spricht, dass er die gröbsten Dinge in der großen Runde vermutlich übersetzen kann. Wie die persönlichen Gespräche am Tisch ablaufen werden oder ob es viel peinliches Schweigen geben wird, wussten wir nicht. Besonders ich war vor diesem Abend nervös und konnte mir nicht so richtig vorstellen, wie der Abend wohl werden würde. Im Gebet habe ich Gott den Abend bewusst hingelegt und ihn gebeten, die Führung zu übernehmen und aus dem Abend zu machen, was er daraus machen wollte. Und die gemeinsame Zeit war wirklich überwältigend! Wir erlebten so eine Freude, eine Fröhlichkeit, gute Gespräche mit Händen und Füßen und Wortfetzen und eine tiefe gemeinsame Zeit. Es war ein Abend mit guten, alten Freunden – die wir eben erst seit drei Wochen kannten. Wir waren alle dankbar und froh, die Entscheidung für diese Einladung getroffen zu haben.

Gott hat unser Vertrauen auf ihn, mit dem wir nach Rumänien gegangen sind, belohnt. Und wir durften erleben, wie er unsere leeren Hände gefüllt hat, sodass wir etwas weitergeben konnten und auch für uns viel übrig geblieben ist. Sein Segen und Wirken sind geflossen, das durften wir deutlich spüren.

Die Zeit in Rumänien ermutigt mich, auch zukünftig die richtigen und nötigen Schritte zu gehen und dabei auf Gott zu vertrauen. Und ich hoffe, dass das auch dich ermutigt, dasselbe zu tun!

Ich danke dir für deine Begleitung und dein Beten während unserer Zeit in Rumänien und freue mich sehr, wenn du uns auch weiterhin unterstützt. Wir sind gespannt, was uns in der Zeit am Schloss und in Albanien erwartet.

Im Herrn verbunden – er wird dich immer lieben.

Dein Samuel

Dank:

  • Viel Segen, den wir in Rumänien erleben und weitergeben durften
  • Bewahrung bei allen Aktionen und auf den Fahrten
  • Für alle Beziehungen, die uns geschenkt wurden

Bitten:

  • Darum, dass jeder die Zeit in Rumänien gut verarbeiten kann und sie somit gute Entwicklungsschritte nach sich zieht.
  • Für eine ebenfalls segensreiche Zeit am Schloss.
  • Dass die Menschen in Keresztur, Csekefalva und Fiatfalva Jesus immer besser kennen lernen.
  • Dafür, dass Gott die mit Händen zu greifende Not der Kinder, die wir in den Kinderbibeltagen kennenlernen durften, ausfüllt. Sie brauchen Jesus so sehr.